Ulrich Werner
Die Linie ist das hauptsächliche Gestaltungsmittel in Ulrich Werners Zeichnungen. Wie ein fein gesponnenes Netz oder wie filigrane, bewegliche Strukturen überziehen sie die Blätter, die bei Werner vielfach starke Pappen sind. Zumeist schwarz oder weiß, zuweilen auch farbig sind die Linien, die sich nicht vom Bildrand beschränken lassen, sondern außerhalb entstehen und auch über ihn hinaus führen. Die Linien verraten zwar die Handschrift des Künstlers, werden aber mit so viel Vorsicht und Bedacht gesetzt, dass sie nicht als Ausdruck einer innerlichen Befindlichkeit dienen. Vielmehr scheinen sie ganz den Gesetzen der feinen, aber durchaus spannungsreichen Kompositionen zu gehorchen. Nie umgibt die Linie in Werners Arbeiten eine Form, ihre Aufgabe ist das Herstellen von Wegführungen, Richtung, Spur. Dabei lotet Werner die Wirkung von Linien verschiedenen Charakters aus und kontrastiert sie miteinander, setzt sie in Beziehung zueinander. Es lassen sich Parallelführungen, Umkreisungen, harte Brüche oder gegeneinander Laufendes beobachten. Doch die Linien bleiben nicht für sich, Werner kontrastiert sie auch mit dem neben der Linie elementarsten graphischen Mittel der Komposition, dem Punkt. Ebenso konzentriert wie zart setzt Werner den Punkt ein, teils als Vorstufe einer Linie, indem sich Punkte miteinander zu einer Richtung verbinden ließen, teils als gegen die Dominanz der Linearität gesetzte Anhäufung oder Gruppierung.
Trotz der reduzierten graphischen Mittel wirken Ulrich Werners Arbeiten keinesfalls flach, sondern bekommen durch das Übereinanderlegen mehrer Wachs- und Farbschichten eine auratisch wirkende Tiefe. Öl, Ölpastell, Graphit, Pigment, Schellack und Wachs sind die Malmittel, die Werner für seine vielschichtigen Arbeiten benutzt. Linien werden in die verstärkte Bildgrundierung entweder eingeritzt oder mittels pastosen Farbauftrags erhaben auf der Wachsschicht gesetzt. So erlangen die Arbeiten teilweise eine geradezu haptische Qualität. Hinzu kommt, dass die Schichten das Papier versiegeln und eine alternative Bildoberfläche herstellen. Auf den graugrundigen Arbeiten führt Werner dieses Verfahren so weit, dass der Bildgrund nicht mehr als Papier zu erkennen ist, sondern die Arbeiten wie Schiefertafeln wirken. Damit werden die Eigenschaften des Papiers wie Leichtigkeit, Verletzbarkeit oder Unbeständigkeit letztlich geleugnet und im Gegensatz dazu der Eindruck von Härte und Festigkeit hergestellt. Dass Werners Arbeiten trotz der dick aufgetragenen Grundierung und Farben so filigran wirken, ist eine äußerst gekonnt ausgelotete Gradwanderung.
Der Berliner Ulrich Werner ist Autodidakt und geht seit 1987 mit seiner Kunst an die Öffentlichkeit. Nach dem Studium der Slawistik und Politologie war er zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Osteuropa-Institut der Freien Universität tätig. Seit 198 hat Werner ein eigenes Atelier in Berlin-Charlottenburg. Seine Werke wurden im In- und Ausland gezeigt, vor allem auch in den Staaten der Russischen Föderation. In dieser Ausstellung präsentieren wir die Arbeiten Werners erstmals einem Wuppertaler Publikum und möchten dies als Vorgeschmack auf ein zukünftiges Projekt verstanden wissen.